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Neue Stärke Gera – Zwischen „politischen Soldaten“ und militanter Nazi-„Resterampe“

Seit 2021 versucht eine neue Parteistruktur in Thüringen auf sich aufmerksam zu machen: die Neue Stärke Partei (NSP). Insbesondere in Gera ist die Partei mit ihrer Ortsgruppe Neue Stärke Gera (NSG) personell und ideologisch verankert. Als militante Kleingruppe ist die NSG bereits auf einer Vielzahl von eigenen und anderen rechten Veranstaltungen aktiv und präsent gewesen.
Am 26.03.2022 ruft die Neue Stärke zu einer Demonstration in Gera auf, die der Auftakt einer über das Jahr und die Republik verteilten Veranstaltungsserie sein soll.
Zeit, einen genauen Blick darauf zu werfen, mit wem man es zu tun haben wird:

Vom III. Weg zur Neuen Stärke

Noch 2020 gehörten die wesentlichen ProtagonistInnen der Neuen Stärke in Thüringen einer anderen „Kleinstpartei“, dem III. Weg, an (wobei die oft bemühte Rede von der „Kleinstpartei“ sich lediglich auf die Mitgliederzahl bezieht und damit keine qualitative Aussage über das Gefahrenpotential der Struktur getroffen ist). Der III. Weg hatte zunächst zwei Thüringer „Stützpunkte“, von denen der wichtigere „Stützpunkt Ostthüringen“ von Gera aus koordiniert wurde – Nico Metze aus Kahla und Anika Metze (vorher Wetzel) aus Rathenow/Brandenburg führten nach ihrem Umzug nach Gera von dort aus die Thüringer Aktivitäten als Stützpunktleitende. Die Teilnahme an überregionalen Demonstrationen und Kundgebungen wurde in der Vergangenheit vor allem zusammen mit Erfurt organisiert.

Nico und Anika Metze bei einem Infostand des Dritten Wegs in Gera am 25.06.2016. Im Hintergrund: Markus Dettler und Robert Thieme (v.l.n.r.)
Nico und Anika Metze bei einem Infostand des III. Wegs in Gera am 25.06.2016. Im Hintergrund: Markus Dettler und Robert Thieme (v.l.n.r.) [Foto: Recherche Gera]

Die Erfurter Enrico Biczysko und Michel Fischer, zwei langjährige Neonazis, konnten dort nicht zuletzt dank der Immobilie des Volksgemeinschaft e.V. in der Stielerstraße 1 im Erfurter Viertel Herrenberg einen Rückzugsort und festen Punkt für die von ihnen ausgehenden gewalttätigen Aktionen anbieten: In der Nacht zum 1. August 2020 ereignete sich von diesem Objekt aus zuletzt ein brutaler rassistischer Angriff auf drei Männer. Biczysko und Fischer, die sich bereits in fast allen Nazistrukturen organisiert und nach kurzer Zeit mit diesen überworfen hatten, wechselten im gleichen Jahr erneut ihre Zugehörigkeit. Sie gründeten dafür die Gruppierung Neue Stärke Erfurt, die sich – mit dem Provokationspotential von pubertären Schulhof-Rowdys – das Kürzel NSE gab, und die das Auftreten, das Selbstverständnis und das Design direkt vom Vorgänger III. Weg kopierte.
Während die Geraer Mitglieder und SympathisantInnen des III. Wegs vormals noch stark mit dem Ehepaar Metze verbunden waren, schienen die sich als „sportlich – aktivistisch – gemeinschaftlich“ bewerbenden Neue Stärke-Kader in Erfurt größere Anziehungskraft auf die Geraer auszuüben und man wendete sich fortan in Richtung Landeshauptstadt.
Dass der III. Weg in Thüringen damit allerdings nicht vom Tisch ist, sondern sich nur regional verlagert, zeigt die Gründung des „Stützpunktes Erfurt/Gotha“ im August 2021 und die Eröffnung eines „Bürger- und Parteibüros“ Anfang 2022 im thüringischen Ohrdruf.

Im November 2021 hielten Mitglieder der „Resterampe für heimatlose Neonazis“ (ZEIT) von der Neuen Stärke in Magdeburg einen Bundesparteitag ab und gründeten die sich überregional verstehende Neue Stärke Partei, zu diesem Anlass entstanden außerdem weitere lokale Ableger (Magdeburg und Rheinhessen).
Im Rahmen eines pathetischen Zeremoniells ließen sich der Erfurter Michel Fischer und der Geraer Bryan Kahnes als Bundesvorstand wählen, einer der drei stellvertretenden Vorsitzenden ist darüber hinaus Enrico Biczysko aus Erfurt.
Ziel der Partei, deren Mitglieder sich als „politische Soldaten der Kampfkultur“ verstehen, sei der „organisationsübergreifende Widerstand“.

Selbstdarstellung der Neuen Stärke Partei im November 2021 beim Gründungszeremoniell in Magdeburg. Oben links: Bundesvorsitzender Michel Fischer. Oben rechts: Bundesvorsitzender Bryan Kahnes. Unten rechts: Stellvertretender Vorsitzender Enrico Biczysko
Selbstdarstellung der Neuen Stärke Partei im November 2021 beim Gründungszeremoniell in Magdeburg. Oben links: Bundesvorsitzender Michel Fischer. Oben rechts: Bundesvorsitzender Bryan Kahnes. Unten rechts: Stellvertretender Vorsitzender Enrico Biczysko [Bild: Screenshot homepage NSP]

Neue Stärke Gera

Als zweite Ortsgruppe wurde nach der Erfurter die Geraer Abteilung mit dem Kürzel NSG im Zuge einer Demonstration zum 1. Mai 2021 gegründet. Dort wurde nach eigenen Aussagen die „NSG-Standarte“ „feierlich“ an Bryan Kahnes und Maurice Mischek übergeben.

Dass bei der Parteigründung im November einer der zwei gewählten Vorsitzenden aus Gera kommt, ist eine wichtige Strukturentscheidung: In Gera sieht man nach Erfurt wohl das meiste mobilisierungsfähige Potential und kann mit den ehemaligen III. Weg-Leuten (abseits des Ehepaars Metze) auf ein Netz aktiver, vor allem junger Leute zurückgreifen. Darüber hinaus musste Michel Fischer, der szeneweit für „qualitativ minderwertige Veranstaltungen“ mit „abgeschriebenen und plagiierten Reden“ bekannt ist und für seine Einfältigkeit verspottet wird, eine Person an die Seite gestellt werden, die ideologisch und rhetorisch ein einigermaßen ernstzunehmendes Bild der Partei nach außen abgeben kann.
Auch in der materiellen Ausstattung durch die Partei zeigt sich, dass ein besonderer Fokus auf dem Geraer Ableger der Neuen Stärke liegt: Auf ihrer Homepage verkündet die NSP, dass Gera mit technischem Equipment („Pavillon, Tisch, Lautsprecheranlage, Stromgenerator, Banner, Fahnen und Werbematerialien“) für das „Kampfjahr 2022“ bedacht wurde.

Eine zwei Monate im Voraus beworbene Demonstration der Neuen Stärke fand am 11.12.2021 in Gera aufgrund der Pandemiebeschränkungen nur als Kundgebung statt. Vor dem Stadtmuseum kamen 10-15 Personen zusammen, Redebeiträge wurden dabei u.a. von Maik Querengäßer aus Eisenberg, Pascal Chmielewski aus Gera und Sabrina Töpfer aus Erfurt gehalten. Die Nazi-Veranstaltung ging in zivilgesellschaftlichem und antifaschistischem Gegenprotest und abgeschirmt durch Polizeifahrzeuge weitgehend unter.

Kundgebung der Neuen Stärke Gera am 11.12.2021 in Gera
Kundgebung der Neuen Stärke Gera am 11.12.2021 in Gera [Foto: Recherche Gera]

Während die eigenen Veranstaltungen sich auch in Gera als nicht besonders zugkräftig und anschlussfähig erwiesen, nimmt die Neue Stärke Gera seitdem eine besondere Rolle bei den sogenannten Spaziergängen gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie ein, wie wir bereits berichteten. Woche für Woche laufen Teilnehmende der Proteste neben den in der Regel durch Schlauchtücher mit sichtbarem Neue Stärke-Emblem zu erkennenden Neonazis. Dabei treten diese militant als Block u. a. mit Pyrotechnik und in einheitlicher Kleidung auf.
Die derartige Uniformierung war Anlass für die Polizei, mehrere Personen der Neuen Stärke am 10.01.2022 festzusetzen und in Gewahrsam zu nehmen.
Die Beteiligten wurden wegen Verstoß gegen das Uniformierungsverbot in einem Schnellverfahren in Gera verurteilt, unter ihnen der Neue Stärke-Bundesvorsitzende Bryan Kahnes.
Bereits vor der Verhandlung hielt die NSP vor dem Amtsgericht eine Kundgebung unter dem Motto „Wir lassen uns nicht kriminalisieren! Gemeinsam gegen staatliche Repression” durch, bei der auch die Erfurter Kader Fischer und Biczysko anwesend waren.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine ist für die Neue Stärke ein willkommener Anlass zur Selbsterhaltung. Auf ihrer Homepage mahnt die Partei Solidarität mit der Ukraine an – damit meint sie eigenen Angaben zufolge ihre „weißen Brüder in der Ukraine“, denn es gehe bei diesem Krieg „um unsere weiße Rasse“. Der Krieg wird umgedeutet zum rassistischen Befreiungskampf gegen einen fantasierten Kommunismus von Putins Russland.
Kahnes und andere Nazis der Neuen Stärke fuhren Anfang März in die Grenzregion zur Ukraine, um den Schulterschluss mit ukrainischen Nazis zu suchen, scheiterten aber am Grenzübertritt und kehrten enttäuscht nach Deutschland zurück – nicht ohne sich selbst trotz gescheiterter Mission via Youtube-Videos zu inszenieren.

Bryan Kahnes erklärt auf dem Youtube-Kanal der Neuen Stärke warum auf den Nazihilfstrupp aus der deutschen Provinz in der Ukraine niemand gewartet hat.
Bryan Kahnes versucht auf dem Youtube-Kanal der Neuen Stärke zu erklären, warum auf den Nazihilfstrupp aus der deutschen Provinz in der Ukraine niemand gewartet hat [Bild: Screenshot youtube]
Bryan Kahnes

Der Geraer Bryan Kahnes wurde im November 2021 neben Michel Fischer zum Bundesvorsitzenden der NSP gewählt.
Kahnes (*1994) gehörte ab 2011 zum Umfeld der Autonomen Nationalisten und besuchte in dieser Zeit zahlreiche Demonstrationen der NPD, etwa in Halle und Gera, und das Neonazifestival Rock für Deutschland.

Bryan Kahnes (2. v.r.) bei einer Nazidemo am 01.05.2011 in Halle. 1. v.r.: Sidney Sambale, 3. v.r.: Sandro Auerbach, 1. v.l. Christian Gentzsch.
Bryan Kahnes (2. v.r.) bei einer Nazidemo am 01.05.2011 in Halle. 1. v.r.: Sidney Sambale, 3. v.r.: Sandro Auerbach, 1. v.l.: Christian Gentzsch [Foto: Infothek Dessau]

2012 bewegte sich Kahnes weiterhin im Kreis der NPD und besuchte etliche ihrer Veranstaltungen. Vorgestellt als „parteiunabhängiger Kamerad“ hielt er am 17.06.2012 eine Rede auf einer Geraer NPD-Demonstration.

Bryan Kahnes (mittig mit Rucksack) auf einer Demonstration der NPD in Gera am 17.06.2012. 1. v.l. Michael Janssen, 2. v.l. Kevin Aßmann, rechts unten mit Fahne: Mario Schreiber, unten mittig im roten Shirt: Jacqueline Möbes.
Bryan Kahnes (mittig mit Rucksack) auf einer Demonstration der NPD in Gera am 17.06.2012. 1. v.l. Michael Janssen, 2. v.l. Kevin Aßmann, rechts unten mit Fahne: Mario Schreiber, unten mittig im roten Shirt: Jacqueline Möbes [Foto: Recherche Gera]

Seit 2018 war Kahnes wieder verstärkt in der Region und überregional aktiv, er nahm nicht nur am Nazi-Festival Rock gegen Überfremdung in Apolda teil, sondern reiste zusammen mit anderen bundesweit bekannten Neonazis am 10.11.2018 zur Solidaritätsdemonstration für die mehrfach verurteilte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck bis nach Bielefeld. Kahnes fuhr dabei stets in Begleitung der einschlägig bekannten Naziaktivistin Beatrice Fischer.

Bryan Kahnes und Beatrice Fischer am 10.11.2018 in Bielefeld.
Bryan Kahnes (3. v.l.) und Beatrice Fischer (1. v.l.) am 10.11.2018 in Bielefeld [Foto: Recherchenetzwerk Berlin]

Ebenfalls 2018 wendete sich Kahnes der faschistischen Partei III. Weg zu, der er bis 2020 verbunden blieb. Gemeinsam mit anderen III. Weg-Kameraden besuchte er bspw. Demonstrationen in Wunsiedel (Gedenkveranstaltung für Hitlerstellvertreter Rudolf Heß) und Berlin oder reiste nach Rom zur italienischen neofaschistischen Organisation CasaPound.

Bryan Kahnes (1. v.l.), René Schaller (2. v.l.), Nico Metze (3. v.l.) und Enrico Bicysko (1. v.r.) bei einer III. Weg-Demonstration am 17.11.2018 in Wunsiedel
Bryan Kahnes (1. v.l.), René Schaller (2. v.l.), Nico Metze (3. v.l.) und Enrico Biczysko (1. v.r.) bei einer III. Weg-Demonstration am 17.11.2018 in Wunsiedel [Foto: Thomas Witzgall]
Bryan Kahnes zusammen mit III.Weg-Mitgliedern bei der neofaschistischen Casapound in Italien
Bryan Kahnes zusammen mit III.Weg-Mitgliedern bei der neofaschistischen Organisation CasaPound in Italien [Bild: Screenshot facebook]

Im Februar 2020 nahm er wie eine Vielzahl anderer Geraer Nazis, darunter Vertreter der AfD, an einem der größten extrem rechten Aufmärsche Deutschlands, am geschichtsrevisionistischen sogenannten Trauermarsch, in Dresden teil.

Bryan Kahnes (mittig, mit Sonnenbrille und Mantel) am 15.02.2020 in Dresden. Daneben: Maurice Mischek (rote Kapuze)
Bryan Kahnes (mittig, mit Sonnenbrille und Mantel) am 15.02.2020 in Dresden. Daneben: Maurice Mischek (rote Kapuze) [Foto: Presseservice Rathenow]

Seit 2021 engagiert sich Kahnes für die Neue Stärke und ist als Bundesvorsitzender bei nahezu allen ihrer Veranstaltungen präsent.

Kahnes absolviert derzeit eine Ausbildung zum Wirtschaftsfachwirt und ist unter anderem wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisation und vorsätzlicher Körperverletzung vorbestraft.

Den Angaben im Impressum der Neuen Stärke-Homepage zufolge, wohnt Kahnes aktuell im Stadtteil Gera-Langenberg.

Maurice Mischek

Maurice Mischek kommt aus dem thüringischen Weida, wo er auch zur Schule gegangen ist.
Spätestens seit seiner Teilnahme an der rassistischen Thügida-Demonstration in Gera am 21.09.2018, die unter anderem vom kriminellen Greizer Neonazi David Köckert angemeldet wurde, ist Mischek reger Besucher rechter Veranstaltungen.

Maurice Mischek bei einer Thügida-Demonstration am 21.09.2018 in Gera
Maurice Mischek (3. v.r., schwarze Jacke des III. Wegs) bei einer Thügida-Demonstration am 21.09.2018 in Gera [Foto: Recherche Gera]

Im darauffolgenden Jahr nahm er im Gefolge des III. Wegs unter anderem an Demonstrationen in Plauen und Wunsiedel teil.
2020 entwickelte sich Michek vollständig zu einem der aktivsten Demotouristen der Region und reiste nach Dresden, nach Naumburg und nach Berlin, abermals unter den faschistischen Bannern des III. Wegs.

Maurice Mischek bei der Gedenkveranstaltung für Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß. 1. v.r.: Nico Metze, 2. v.r.: Michel Fischer.
Maurice Mischek (1. v.l.) bei der Gedenkveranstaltung des III. Wegs für Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß am 16.11.2019 in Wunsiedel. 1. v.r.: Nico Metze, 2. v.r.: Michel Fischer [Foto: Thomas Witzgall]

2021 schloss sich Mischek zusammen mit Bryan Kahnes der Neuen Stärke in Erfurt an. Seit ihrer Gründung ist Mischek Mitglied der Neuen Stärke Partei und für den Ortsableger Gera unterwegs. Bei fast jedem Coronaprotest war Mischek seither in der Uniform der NSP mit seinen vermummten Kameraden Teil der Aufmärsche.

Mischek arbeitet seit 2018 für verschiedene Baufirmen in Gera und Umgebung, zuletzt für die Firma Gerüstbau Weida.

Weitere Mitglieder und Unterstützer

Sonny Schmidt

Sonny Schmidt (r.) und Markus Dettler
Sonny Schmidt (r.) und Markus Dettler [Bild: Screenshot facebook]

Schmidt ist Mitglied der NSP und beteiligte sich an einigen ihrer Veranstaltungen, so zum Beispiel am 22.01.2022 bei einem Naziaufmarsch der JN und der Neuen Stärke in Magdeburg.

Schmidt beim Naziaufmarsch am 22.01.2022 in Magdeburg
Schmidt (mittig) beim Naziaufmarsch am 22.01.2022 in Magdeburg. Links: Maik Querengäßer, rechts: Maurice Mischek [Foto: Kai Schwerdt]

Wie auch sein Freund und Kamerad Markus Dettler arbeitete Schmidt in der Vergangenheit für die Securityfirma SUP.

Schmidt (1. Reihe, 2. v.r.) im Dienst der Securityfirma SUP. Letzte Reihe, 2. v.l.: Markus Dettler
Schmidt (1. Reihe, 2. v.r.) im Dienst der Securityfirma SUP. Letzte Reihe, 2. v.l.: Markus Dettler [Bild: Screenshot facebook]

In den sozialen Netzwerken ist Schmidt unter dem Namen „Schmidti Bande“ oder „Hans Peter“ zu finden.

Pascal Chmielewski

Pascal Chmielewski (Rückbank mittig) auf Reisen mit der Neuen Stärke Gera. Hinten links: Maurice Mischek, hinten rechts: Sonny Schmidt. Vorne links: Enrico Jahn, vorne rechts: Bryan Kahnes
Pascal Chmielewski aus Gera (Rückbank mittig) auf Reisen mit der Neuen Stärke Gera. Hinten links: Maurice Mischek, hinten rechts: Sonny Schmidt. Vorne links: Enrico Jahn, vorne rechts: Bryan Kahnes [Bild: Screenshot instagram]
Pascal Chmielewski (1. v.l.) als Redner auf einer Kundgebung der Neuen Stärke am 11.12.2021 in Gera. Rechts am Transparent: Maurice Mischek
Pascal Chmielewski (1. v.l.) als Redner auf einer Kundgebung der Neuen Stärke am 11.12.2021 in Gera. Rechts am Transparent: Maurice Mischek. Mittig: Maik Querengäßer [Foto: Recherche Gera]
Pascal Chmielewski (r.) arbeitet beim Securityunternehmen SUP in Gera.
Pascal Chmielewski (r.) arbeitet beim Securityunternehmen SUP in Gera [Bild: Screenshot facebook]

Enrico Jahn

Enrico Jahn aus Gera
Enrico Jahn aus Gera [Bild: Screenshot facebook]
Enrico Jahn (1. v.l.) und Bryan Kahnes (2. v.l.) nach der Kundgebung der Neuen Stärke am 11.12.2021 in Gera
Enrico Jahn (1. v.l.) und Bryan Kahnes (2. v.l.) nach der Kundgebung der Neuen Stärke am 11.12.2021 in Gera [Foto: Micha Weiland]

Sebastian Rubner

Sebastian Rubner aus Gera
Sebastian Rubner aus Gera [Bild: Screenshot facebook]
Sebastian Rubner als Ordner auf dem Naziaufmarsch von JN und NSP am 22.01.2022 in Magdeburg
Sebastian Rubner (1. v.r.) als Ordner auf dem Naziaufmarsch von JN und NSP am 22.01.2022 in Magdeburg [Foto: Kai Schwerdt]
Sebastian Rubner als Ordner auf der Kundgebung der Neuen Stärke Gera am 11.12.2021
Sebastian Rubner als Ordner auf der Kundgebung der Neuen Stärke Gera am 11.12.2021 [Foto: Micha Weiland]

Maik Querengäßer

Maik Querengäßer aus Eisenberg im Pullover der NSG. Tätowierung rechte Stirnseite: "2yt4u" (= "too white for you")
Maik Querengäßer aus Eisenberg im Pullover der NSG. Tätowierung rechte Stirnseite: “2yt4u” (= “too white for you”) [Bild: Screenshot facebook]
Maik Querengäßer (r.) als Redner und Ordner auf der Kundgebung der Neuen Stärke am 11.12.2021 in Gera, links: Bryan Kahnes
Maik Querengäßer (r.) als Redner und Ordner auf der Kundgebung der Neuen Stärke am 11.12.2021 in Gera, links: Bryan Kahnes [Foto: Micha Weiland]

„Resterampe“ oder neu und stark?

Das Erscheinungsbild der Neuen Stärke mit ihrem uniformierten Dresscode, der militaristischen Symbolik, den Fahnen, der damit verbundenen Einheitlichkeit und ritualhaften Disziplin, ist unverkennbar an faschistischen Bewegungen geschult. Dass man damit wirbt „sportlich“ und „aktivistisch“ zu sein, das Versprechen zur Gewalt also schon im Slogan trägt, hat insbesondere für junge Menschen eine große Anziehungskraft. Auch wenn einige Personalien der Neuen Stärke szeneintern und -extern eher zur Belustigung zu dienen scheinen, sollte nicht unterschätzt werden, dass die derzeit weiter wachsende Struktur ein Sammelbecken für extrem Rechte in Thüringen und darüber hinaus darstellt.

Damit ist speziell in Gera ein neuer Anlaufpunkt entstanden, der die zerstreuten rechten Kräfte bündeln könnte – für all die, denen die NPD zu altbacken und die AfD nicht militant genug ist. Dass die sich unverhohlen als Nazis bekennenden Rechten der Neuen Stärke Woche für Woche unwidersprochen auf den sogenannten Spaziergängen gegen die Pandemiemaßnahmen mitlaufen können und das zweite Mal in drei Monaten eine eigene Demonstration in der Innenstadt abhalten, hilft ihnen bei ihrer Vermarktung und der Rekrutierung ungemein. Wir hoffen, dass Recherchen wie diese dazu beitragen, dass die Neue Stärke künftig weniger Erfolg hat, vermummt unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit zu tauchen.